Kafka und Kasperl

Nicht schreiben heißt nicht nichts denken, sondern besonders viel denken. Es bedeutet ein Unvermögen. Das Unvermögen, nicht fassen können zu wollen, was vorgeht in einem Selbst, im Selbstlosen. Erstaunt sein, über das eigene viele Denken und das damit verbundene Außer-Atem-Sein und Schwitzen, schaudernd vor der Erhabenheit des eigenen und fremden Besitzes und dem falschen Sitz der Gerechtigkeit, des wippenden Sessels, des lehnenden Stuhls. Nicht schreiben heißt Ehrfurcht zeigen, vor dem inneren Vorgehen; das innere Vergehen bleibt außen vorweg. Ohne Stift und ohne Papier und ohne nacktem Mensch vor mir und das alles nicht verstehen können wollen. Nicht einmal Pi mal Daumen, nicht einmal in Etwa, zu keiner Wirklichkeit oder gar keiner Wahrheit abgewälzt. Bloß und roh und einfach stehen gelassen, hingenommen ohne Not und Zwang des Niederschreibens. In dieser dreiklangähnlichen Verschiebung macht es keinen Unterschied, ob Kafka oder Kasperl vor mir türmt. Beide erheben und bekämpfen sich in meiner Wertung, bis zum Vorschlaf. Kafka, der verschollene Nachtwälzer, der jedes Urteil fällt, noch bevor es morsch gereift ist, der im Krieg steht, im Stromkrieg beinahe, mit dem Kasperl, dem komischen Harlekin, diesem Humortäufer. Kein Schreiben bringt Lachen, kein Schreiben bringt kein Lachen und der Bemützte und der Kopflose ziehen und verzeihen von dannen. Schreiten zu den Tannen rüber und streuen Rüben dazwischen ins erdige Gutmenschgetümmel. Nicht schreiben heißt nicht nichts denken, sondern besonders viel denken.

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