La Culpa Ha Sido Mía

Ich weiß gar nicht wann und schon gar nicht wohin mir die Leichtigkeit entfleucht ist, denn zur Zeit befinde ich mich bloß noch in einer Art Ernsthaft. Vermutlich hat eine meiner Vermutungen sie gestohlen. Wieso eine meiner Vermutungen? Nun, ich bin kein mutiger Mensch, das war ich noch nie. Ich war stets eine ängstliche, unsichere Person, sprich: Einer dieser Menschen, der immer bloß vermutet und daraus dann seine Verletzungen bezieht. Das Wort „bezieht“ scheint äußerst passend in dieser Hinsicht, weil es vor allem Vermutungen zu den eigenen zwischen(un)menschlichen Beziehungen sind, die einem die Wunden immer wieder aufs Neue aufreißen. Wem das Bild der Wunde nicht gefällt, der kann sich auch gerne einen gefällten Baum in den Kopf rufen oder eine verschrumpelte Rosine. Bilder laufen auf Bilder hinaus, sonst nichts. Sie rufen nicht. Jedenfalls gibt man sich der Vermutung einer Vorstellung hin, wie diese Beziehungen denn auszusehen haben. Ideologie und Passivität spielen dabei eine große Rolle. Man denkt sich: So etwas darfst du als guter Freund doch nicht zu mir sagen! So etwas darf niemand zu jemandem sagen, wenn man sich am Herzen liegt. Wie braune drahtige Körper am Strand. Oder man denkt sich: So etwas kannst du als meine Partnerin doch nicht vor mir verschweigen! So etwas darf niemand jemandem verschweigen, wenn man sich im Herzen liegt. Wie Müll in der Mülltonne. (Ideologie!). Sagen tut man in beiden Fällen zumeist so etwas wie: Hmmm. Gefolgt von einem Räuspern. Oder man wagt ein: Du bist ein schlechter Freund! Oder sogar: Ich sehe keine Zukunft die noch nie da war für unsere Beziehung! (Passivität im Grunde, kein konstruktives Verändern/Verbessern des aktuellen Zustandes!). Egal was man dann sagt oder eben nicht sagt, man bleibt verletzt. Obwohl der eigentliche Schmerz ja von der bloßen Vermutung herrührt. Und weil das Gegenüber sich angegriffen fühlt, wird auch das Gegenüber verletzt. Und weil das Gegenüber sich nicht rechtfertigen kann und will, wird man zusätzlich, zur bereits bestehenden Verletzung, verletzt. Das geht doch nicht! Man muss doch Stellung beziehen! Herrlich ist das und so ging es mir immer schon in dieser vermutenden Welt. Intrigen und böse Menschen mit bösen Absichten hinter jeder Ecke. Mit der Leichtigkeit an meiner Seite habe ich eigentlich immer darüber lachen können, über menschliche Belanglosigkeit. Auch wenn sich alle die Köpfe eingeschlagen haben und von Wirklichkeit, Recht und Werten der Gesellschaft gesprochen haben. Ich hatte für fast alles stets ein Lächeln über. Zwischendurch war da selbstredend das übliche Kotzen, aber selbst bei dieser Tätigkeit schaffte ich es, meine Mundwinkel zu heben. Ich vermaledeite Grinsekatze. Ich war dann immer auf faszinierend schwere Weise leicht. Aber wie bereits beschrieben, ist mir diese Fähigkeit abhanden gekommen. Die gehobenen Mundwinkel wurden abgelöst von unrund pochendem Herzschlag, der einem das Innen nach außen treibt, der Humor vom Sarkasmus und das Verliebt-Sein vom sexuellen Hingezogen-Sein. Ich glaube es ist eine Bank (was auch die großartige Ironie ausmacht), die mit dem Slogan „In jeder Beziehung zählen die Menschen“ wirbt. Nimmt man die Diakritika weg, bekommt man die Wahrheit serviert. In jeder Beziehung zahlen die Menschen. Da kann man noch so sehr sparen, diese Schuld nimmt keiner ab. Unter keiner Voraussetzung. Ich wünschte, ich könnte diese alltägliche Schuld mit der selben Leichtigkeit besingen, wie Camilo Sesto das tut. Zumindest denke ich, dass er das tut. Ich habe ja nicht den Hauch einer Ahnung von der spanischen Sprache. Ein Bier könnte ich gerade noch bestellen. Dass „Culpa“ irgendwie mit Schuld zusammenhängen wird, darauf komm ich auch gerade noch. Grundsätzlich wünschte ich, dass das Leben mehr Ähnlichkeit mit einem spanischen Schlagerlied hätte, die allesamt das Schwere leicht zu nehmen vermögen.

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