Einfache Zugfahrt

Zwischen Glanz und Schatten gibt es oft nur einen schmalen Grad, der einen vom lichten Abgrund wegnagelt. Der dichte Nebel, der sich an verdichteten Berghängen sammelt und mit seinem Dunst alle Täler verschleiert, verfügt über einen solchen Glanz. Besonders dann, wenn das sogenannte Wetter (als ob es so etwas wirklich gäbe) trüb und traurig ist und die Gemüter der Menschen betrübt, ihre Körper betriebt. Das ist für mich immer herrlich anzusehen, wenn die Elemente so stürmisch um mich ziehen und tanzen. Und der Zug tuckert und tuckert durch eine Welt, die von der Umwelt noch nichts abbekommen hat. Sattes Grün, das Vergessen macht. Hungriges Grau, das ihm dabei hilft und jede Erinnerung umgarnt und abschließend verschlingt. Die triefend nassen Wolken sammeln sich um die Bergspitzen und turteln mit einer unglaublich knisternden Erotik hin und her, reiben sich an rauem Stein.

Mit Naturbeschreibungen, besonders mit solchen, die sich als erhaben bezeichnen lassen, konnte ich immer schon viel anfangen, anders als die meisten anderen Leser und Schreiber und Denker. Zumeist wird sich ja mit Vergnügen auf menschliche Beziehungen und ihr Scheitern gestürzt, um diese auseinander zunehmen (sic!) und zu zerfleddern. Menschlich-, Zwischenmenschlich- und Unmenschlichkeit macht besonders betroffen, heißt es immer. Mehr als Regen oder Dunst oder Sonne. Oder der Anblick eines Berges oder eines Teichs. Aber ich will eben nicht, wie es immer heißt, betroffen sein müssen. Man muss sein Vertrauen ins Mensch-Sein ohnehin schon genug hochzwingen, um nicht durch und durch Misanthrop zu werden. Da brauche ich nicht auch noch von Funktionsfehlern und Beziehungsschwächen und sonstigen menschlichen Inkompetenzen lesen. Diese Kraft verwende ich lieber weiterhin dafür, das Alltagsmenschengift mit leichter Musik und leichtem Wein aus meinem Körper zu spülen und mit dem Zuggetuckere das Laute und Schwere aus meinem Kopf zu schütteln. Wochenend und Sonnenschein: Brauchst du mehr, um glücklich zu sein? Vielleicht ein Glas Chardonnay.

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